Göttingen, 09. Juli 2019 (vz). Erstmals lösen erneuerbare Energien bei der
Beheizung von Wohnungsneubauten Gas als wichtigster Energieträger ab. Nach
Angaben des Statistischen Bundesamten in Wiesbaden (Destatis) kommt die
Heizungswärme bei etwa zwei Dritteln der 2018 gebauten Neubauten primär
aus erneuerbaren Energien, die Bedeutung von Gas hingegen nimmt spürbar
ab. Damit befinden sich die erneuerbaren Energien (Geothermie,
Umweltthermie, Solarthermie, Holz, Biogas/Biomethan sowie sonstige
Biomasse) erstmals auf Platz 1 bei der Beheizung neuer Wohngebäude.

 

Mehr als 66,6 Prozent der knapp 107.200 im vergangenen Jahr fertig
gestellten Neubauten werden laut einer Erhebung des Statistischen
Bundesamtes mit erneuerbaren Energien beheizt. In fast der Hälfte (47,2
Prozent) der neuen Wohngebäude waren erneuerbare Energien die primäre,
also die überwiegend eingesetzte Energiequelle. Nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes haben damit die erneuerbaren Energien erstmals
Gas von Platz 1 bei den primären Energiequellen für das Heizen verdrängt.
Gas wurde 2018 nur noch in 43,0 Prozent der Wohnungsneubauten als primäre
Energiequelle eingesetzt. 2017 hatte der Anteil von Gas noch 47,4 Prozent
betragen, gefolgt von den erneuerbaren Energien mit 43,3 Prozent. Die
übrigen Energiequellen (darunter Fernwärme, Öl und Strom) erreichten laut
Destatis 2018 zusammen 9,8 Prozent (2017: 9,3 Prozent).
Werden Wohnungsneubauten primär mit erneuerbaren Energien beheizt, so
geschieht dies laut Destatis bei den 2018 fertig gestellten Wohngebäuden
vor allem mit Umweltthermieanlagen (71,1 Prozent, 2017: 69,5 %), die der
Luft oder dem Wasser Wärme entziehen, oder Geothermieanlagen (16,1
Prozent, 2017: 16,4 %), die die Wärme unterhalb der Erdoberfläche nutzen.
Wird in neuen Wohngebäuden eine sekundäre Energiequelle eingesetzt so
wurden im vergangenen Jahr bevorzugt die erneuerbaren Energieträger
Solarthermie (15,1 Prozent) und Holz (14,7 Prozent) genutzt.

Planungs- und Verarbeitungsfehler haben große Auswirkungen
Die ökologisch sinnvollen und innovativen Heizsysteme stellen nach
Erfahrung des Vereins zur Qualitäts-Controlle am Bau e.V. (VQC) besondere
Anforderungen an die Bauqualität. „Damit die Bewohner in kalten und
windigen Wintertagen nicht frösteln und die gewünschte Warmwassermenge zur
Verfügung steht, muss die Anlage in Bezug auf die Heizleistung ausreichend
dimensioniert sein. Denn im Gegenteil zur altherkömmlichen Heizung stellen
Umweltthermie- und Geothermieanlagen nicht unendlich viel Energie zur
Verfügung: Aus diesem Grund rächen sich auch kleinste Planungs- und
Verarbeitungsfehler. Handwerkliche Mängel können dazu führen, dass das
Haus nicht die notwendige Luftdichtheit aufweist, zu viel warme Luft nach
außen entweichen kann und somit trotz einer eigentlich ausreichend
dimensionierten Heizungsanlage nicht genügend Wärme zur Verfügung steht.“
Darauf weist VQC-Vorsitzender Udo Schumacher-Ritz hin. Ein Beispiel:
Besonders im Bereich von Rohr- oder Leitungsdurchführungen müssen die
ausführenden Handwerker verstärkt darauf achten, dass diese mit Hilfe
hochwertiger Materialien abgedichtet werden. Aber auch nicht fachgerecht
eingebaute Fenster sind oft ein Schwachpunkt. Generell muss laut VQC die
entsprechend der Energieeinsparverordnung (EnEV) gesetzlich
vorgeschriebene Luftdichtheit des Hauses passend zur gewählten Lüftungsart
gewährleistet sein. Die Luftdichtheit kann mit einem Luftdichtheitstest
(Blower-Door-Test) überprüft werden. „VQC-Sachverständige prüfen
Wohnbauten während der definierten Bauphasen zielgerichtet und effektiv.
Mehr als 20.000 Einfamilienhäuser haben die Sachverständigen des VQC seit
Gründung des Vereins vor 15 Jahren begleitet. Damit ist der VQC Vorreiter
und Marktführer im Bereich systematischer Qualitätskontrollen von
Einfamilienhäusern. Die systematische und präventive Qualitätskontrolle
des VQC minimiert effektiv Verarbeitungsfehler am Bau. Eine gute Basis
dafür, dass auch sensible Thermieanlagen ausreichend Wärme im Haus
bereitstellen“, sagt Schumacher-Ritz.