Fotografie als Meditation: Online-Retrospektive von Karen Irmer

Kunst und Kultur leiden unter der Corona-Krise besonders. Geschlossene Museen, Kontaktverbote, Zugangsbegrenzungen, während gleichzeitig Millionen von Menschen im Home-Office sitzen und online kommunizieren. Eine besondere Ausgangslage, um Kunst auch online erleb- und fühlbar zu machen. Fotografin und Video-Künstlerin Karen Irmer hat deshalb zum Teil-Lockdwon ihre erste Retrospektive online gestellt.

„Mir ist es wichtig, gerade in dieser verrückten Zeit meine Kunst erlebbar zu machen und zu zeigen, dass bei aller Veränderung, es gerade beim Blick auf die Natur immer feste Konstanten gibt.“

In insgesamt 13 Videos gibt Karen Irmer Einblick in ihr künstlerisches Schaffen der vergangenen acht Jahre. Darunter etwa die Videoinstallation in der Augsburger Moritzkirche, die vor genau zwei Jahren eröffnet wurde. Die Videoinstallation strahlt eine große Ruhe aus und wirkt gerade in der Retrospektive wie ein Blick in eine andere Zeit – eine Zeit, in der Kirchen und Museen Ort der Ruhe und nicht der potenziellen Ansteckung waren. Gleichzeitig weckt diese Retrospektive die Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität, sobald die Pandemie bewältigt ist.

Besonders meditativ und in dieser beängstigenden Zeit beruhigend wirkt die Video-Installation „Naab“. Über eine leicht bewegte Wasserfläche ziehen zarte Nebelschleier hinweg. Obgleich wir keine Veränderung des Himmels sehen können, erkennen wir an den glitzernden Flächen auf der Wasseroberfläche, dass sich einige Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Wolken bahnen.

Perfekt in die Zeit passt auch die Arbeit „Stable Square“. Während das Wasser stetig fließt, bleibt die quadratische Spiegelung im Wasser statisch und nahezu unverändert. Je länger der Blick auf die Wasseroberfläche gerichtet ist, desto mehr löst sie sich das Bild von der Realität. Eine meditative künstlerische Arbeit das die mögliche Gleichzeitigkeit von Stetigkeit und Wandel in einem starken Bild fasst.

 

Bild: Naab, Karen Irmer 2018

Mit dem Video „loop loop“ zeigt Karen Irmer ein poetisches Werk über den Wandel und seine Wahrnehmungsweisen. Subtile Veränderungen einer Landschaft, die in dieser Dosis kaum wahrnehmbar sind, entfalten sich in diesem stillen und kontemplativen Werk. Unwahrnehmbar geht ein atmosphärisches Bild in ein anderes über – eine faszinierend ruhige und sanfte Metapher über den Verlauf des Lebens.

Link zur Ausstellung: https://vimeo.com/karenirmer

QR-Code zur Austellung: