Hitze, Trockenheit, Stürme und Luftschadstoffe belasten die Gesundheit. Besonders betroffen sind Stadtbewohner*innen. Das ist lange bekannt. Ebenso die enormen wirtschaftlichen Schäden, die damit einhergehen. Und klar ist auch: die zunehmende Urbanisierung und die Folgen des Klimawandels werden die Probleme künftig weiter verschärfen. Nun bewilligte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erneut 13 Millionen Euro für das Projekt „Stadtklima im Wandel“. Unter Leitung von Prof. Dr. Dieter Scherer, Fachgebiet Klimatologie der TU Berlin, will ein Verbund von bundesweit 19 Forschungseinrichtungen ein Stadtklimamodell, das bereits in der ersten Förderphase des Projekts erarbeitet wurde, zu einem Produkt für Praxis von Stadtplanung und Bau sowie für die Forschung weiterentwickeln. Das Praxismodell soll damit aktiv zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen.

In den vergangenen drei Jahren haben die Partner des Verbundprojekts „Stadtklima im Wandel“, ebenfalls unter Leitung der TU Berlin, bereits mit mehreren Intensiv-Messkampagnen die atmosphärischen Prozesse in Großstädten wie Berlin dreidimensional vermessen – zum Beispiel Wind, Schadstoffverteilungen und Strahlung – und das innovative Stadtklimamodell „PALM-4U“ (PALM for urban applications) für den urbanen Raum entwickelt. Videosequenzen zeigen unter anderem die Wind- und Luftströmungsverhältnisse im Berliner Regierungsviertel oder die Hitzeentwicklung und -verteilung im Berliner Stadtgebiet.

„Es besteht dringender Handlungsbedarf, wenn wir die Herausforderungen des Klimawandels für Städte bewältigen wollen. Das ist erkannt worden. Doch die Nutzung von Klimawissen erfordert praktische Kompetenz“, erklärt Dr. Katharina Scherber, wissenschaftliche Mitarbeiterin im TU-Fachgebiet Klimatologie. „Städte brauchen, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, dringend belastbare Wissensgrundlagen und praxisnahe Instrumentarien für stadtplanerische Entscheidungen und deren Umsetzung.“ Das Stadtklimamodell „PALM-4U“ soll Stadtplaner*innen, Architekt*innen und Behörden als gebäude- und turbulenzauflösendes, praxistaugliches Instrument helfen, zum Beispiel Belastungen durch Hitzestress und Luftschadstoffe bereits in der Planung entgegenzuwirken.

Belastungen durch Hitzestress und Luftschadstoffe bereits in der Planung entgegenwirken

Das Programm „Stadtklima im Wandel“ verfolgt diese Ziele, die damit auch die strategischen Leitlinien des Bundes im Bereich Klimaforschung adressieren, mit einem transdisziplinären Forschungsansatz. Direkt beteiligt sind Akteure aus Stadtplanung, Luftreinhaltung und anderen Sektoren. Mit ihnen sollen neue Konzepte und Methoden für integrative Untersuchungen erarbeitet werden. Im Fokus stehen die Überprüfung der Modellweiterentwicklungen und der Praktikabilität des Modells für einen breiten Anwenderkreis, die Erschließung spezifischer Anwendungsfelder in der Praxis sowie die Ausarbeitung und Überprüfung umfangreicher Maßnahmen zur Qualifizierung der Anwender*innen.

Die beteiligten 19 Forschungseinrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet sind in 26 Teilprojekten und drei Verbünden organsisiert. Gesamtkoordinator ist TU-Professor Dr. Dieter Scherer, Leiter des Fachgebiets Klimatologie am Institut für Ökologie. Städte wie Berlin, Hannover, Hamburg, Stuttgart, München und Augsburg sind mit Simulationen und Messungen sowie als Praxispartner beteiligt. Das Programm startete am 1.10.2019. „Stadtklima im Wandel“ wird vom BMBF im Rahmen der Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA) gefördert.