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Mulden, Mulden-Rigolen, Kies- und Füllkörperrigolen, Tiefbeet-Rigolen: So ziemlich alles, was es an Versickerungssystemen gibt, kommt im Neubauquartier Ortolfstraße zum Zuge. In Kombination mit Gründächern gelingt trotz schwieriger Untergrundverhältnisse die Bewirtschaftung von Regenwasser vor Ort.

Der breite Grünstreifen, der sich längs durch das Quartier zieht, erinnert noch an die rasenbedeckte Brache, die sich hier bis vor wenigen Jahren zwischen Einfamilienhäusern erstreckte und von den Bewohnern als Hundeauslauffläche genutzt wurde.

 

Heute befindet sich hier ein gemeinschaftlich nutzbarer zentraler Anger, der genug Platz für Veranstaltungen der Nachbarschaft und diverse Freizeitangebote bietet. Außerdem gibt es einen Kinderspielplatz und einen Gemeinschaftsgarten. Heimische Allee- und Obstbäume säumen die Straßen, die sich an beiden Seiten der zentralen Grünfläche von der Ortolfstraße bis zur Schönefelder Chaussee hin erstrecken.

Insgesamt 406 Mietwohnungen sind hier im Ortsteil Altglienicke zwischen Flughafen Schönefeld und Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof entstanden. Im Frühjahr 2019 sind die ersten, im September 2019 die letzten Bewohner eingezogen.

 

Die 42 Zwei- und Dreigeschosser jeweils plus Staffelgeschoss sind abwechselnd erdig-rot und beige-hellgrau gestrichen. Sie gruppieren sich jeweils zu dritt um einen begrünten Hof mit Kleinkinderspielplatz und Aufenthaltsbereich für die Bewohner. An die Gebäuderückseiten schließen sich private Gärten der Erdgeschossbewohner sowie öffentlich zugängliche Gartenbereiche an.

Herausforderung schwierige Untergrundverhältnisse

Nur an wenigen Stellen ist zu erkennen, welch ausgeklügelte und umfangreiche Technik zur Regenwasserbewirtschaftung sich unterhalb der idyllischen Oberfläche verbirgt. »Als wir uns 2015 zusammen mit dem Generalübernehmer, der Ed. Züblin AG und der Otto Wulff Bauunternehmung, sowie der Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker an dem städtebaulichen Wettbewerb der STADT UND LAND beteiligt haben, wussten wir noch nicht, wie herausfordernd die Regenwasserversickerung hier sein würde«, berichtet Lioba Lissner, Geschäftsführerin von hochC Landschaftsarchitekten.

 

»In den Unterlagen der Behörden fanden sich unterschiedliche Angaben zur Versickerungsfähigkeit, deshalb haben wir zusammen mit dem Büro Sieker umfangreiche eigene Versickerungsversuche durchgeführt.« Die ergaben, dass auf dem gesamten Grundstück Regenwasser so gut wie gar nicht versickern kann, u. a. weil der Boden sehr heterogen ist: Er besteht zum Teil aus Aufschüttungsmaterial, zum Teil aus Sand, aber auch aus Schichten mit Geschiebelehm und -mergel, durch die sich Schichtenwasser aufstauen kann.

Aufgrund der geringen Durchlässigkeit des Bodens war den Büros hochC und Sieker schnell klar, dass die ursprünglich angedachten Sickerschächte und Mulden bei Weitem nicht ausreichen würden. »Wir mussten plötzlich sehr viel aufwendiger planen«, sagt Lioba Lissner.

 

Eine weitere Herausforderung für die Planer war der Anspruch, möglichst auf Pumpen zu verzichten und im Freigefälle zu entwässern. »Das ist uns mithilfe einer komplexen Höhenplanung tatsächlich weitestgehend gelungen«, so Lissner. Zudem querte eine unterirdische Gastrasse das Gelände.