Bremerhaven entwickelt Gewerbegebiet im Einklang mit Ökologie und Ökonomie
Die BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven erhielt gestern (7. Oktober 2019) für ihre nachhaltige Erschließungsplanung des grünen Gewerbegebiets LUNE DELTA durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) das Vorzertifikat mit der höchsten Auszeichnungsstufe (Platin). In Anwesenheit von Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt und Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz überreichte Dr. Stephan Anders, Abteilungsleiter Zertifizierung der DGNB die Auszeichnung öffentlichkeitswirksam auf der Gewerbe-immobilienmesse Expo Real in München. „LUNE DELTA ist eines der ersten Gewerbegebiete mit der höchsten DGNB Auszeichnung. In allen Themenfeldern unseres umfangreichen Kriterienkatalogs konnte das Projekt sehr gute Ergebnisse erzielen. Wir freuen uns, dass Bremerhaven bei diesem Vorhaben die Nachhaltigkeitsqualität so aktiv vorantreibt“, erklärte Dr. Anders bei der Übergabe der Urkunde.
Mit diesem Vorhaben betritt Bremerhaven Neuland und eröffnet sowohl jungen als auch etablierten Unternehmen der Green Economy einen Heimathafen, der auf Grund seiner nachhaltigen Erschließung und Infrastruktur passende Rahmenbedingungen für zukunftsfähiges Wirtschaften bietet.

„Das neue Gewerbe- und Industriegebiet LUNE DELTA zeigt in besonderer Weise, wie sich wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele miteinander verknüpfen lassen. Ich bin zuversichtlich, dass dies insbesondere zukunftsorientierte Unternehmen und Investoren schätzen werden. Nur auf diese Weise können wir die Herausforderungen des Klimawandels meistern und unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern“, betonte Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz anlässlich der Auszeichnung in München.
Das Projekt LUNE DELTA findet auch in der Bremer Landesregierung breite Unterstützung. Die bremische Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt begrüßt das Projekt ausdrücklich: „Wir schaffen ein hoch attraktives Arbeitsumfeld für kleine und große Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und attraktive Arbeitsplätze schaffen wollen. Das ist gerade in Zeiten des Fachkräftemangels immer wichtiger.“ Die laufende Erschließungsplanung wurde und wird intensiv durch die DGNB begleitet und ganzheitlich nach fünf maßgeblichen Themenfeldern entwickelt:

1. die ökologische Qualität
2. die ökonomische Qualität
3. die sozialkulturelle und funktionale Qualität
4. die technische Qualität
5. die Prozessqualität

Das städtebauliche Entwicklungskonzept der Arbeitsgemeinschaft CITYFÖRSTER architecture+urbanism, urbane-gestalt PartGmbB und Transsolar KlimaEngineering zielt darauf ab, das nachhaltige Gewerbe- und Industriegebiet LUNE DELTA als integralen Bestandteil der Lune Fluss-Landschaft zu entwickeln. Die Topographie vor Ort – bestimmt von durch Fleete gegliederten Parzellen, Deichrelikten sowie Wasser- und Grünflächen – prägen den Entwurf des Gewerbegebiets maßgeblich. Vorhandene Gewässer werden Orte der Erholung, und es entstehen neue Parks sowie Freiflächen, die für ökologische Nutzung, aber auch für Sport- und Freizeitaktivitäten offenstehen. In einem breit angelegten Netz aus Rad- und Fußwegen sind außerdem schnelle Verbindungen ins Grüne oder in die Innenstadt möglich.

Zu den besonderen Rahmenbedingungen des geplanten, 150 Hektar großen Industrie- und Gewerbegebietes zählt ein Versorgungskonzept, das zu 100% auf den „Erneuerbaren“ beruht und Pilotprojekte mit Bezug zum Energiesystem der Zukunft möglich macht. Beispielsweise soll in der unmittelbaren Nachbarschaft Windstrom in grünen Wasserstoff umgewandelt werden, angedacht ist auch ein bundesweit bislang einzigartiges Testfeld für Elektrolyseure für die Wasserstoffherstellung. Im Innern des Gebiets wird eine zusammenhängende Grünfläche als Landschaftspark hergestellt, in dem Gräben und Wasserflächen Niederschlagswasser aufnehmen und ein gemeinschaftlich genutzter Frei- und Erholungsraum. Die sog. „Commons“ bestehen aus Gemeinschaftsflächen mit verschiedenen Sharing Angeboten z.B. im Bereich Arbeitsstätten, Mobilität oder Kinderbetreuung. Ein Gründerzentrum mit Schwerpunkt „Green Economy“ soll darüber hinaus eine Keimzelle für neue Formen des gemeinsamen und vernetzten Wirtschaftens sein, ergänzt um ein Gebietsmanagement, das Stoffströme lenkt, die Unterhaltung des Gebietes für alle managt und auf diese Weise hilft, Ressourcen und Kosten zu sparen.

Die detaillierten Handlungsempfehlungen der DGNB werden im weiteren Verfahren als verbindliche Richtlinie für die weitere Planung und Umsetzung in einem Pflichtenheft übernommen.
„Für das Areal wollen wir verbindliche Nachhaltigkeitskriterien formulieren, die auch Eingang in die Bebauungsplanung und in die Grundstücksverträge finden sollen“, betonte Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Bremerhavener Wirtschaftsförderungs-gesellschaft BIS. Nach der Vorzertifizierung wird Ende 2019 die Entwurfsplanung abgeschlossen sein. Der Zeitplan der Wirtschaftsförderer geht davon aus, dass in 2020 das Bebauungsplanverfahren stattfindet. Nach der Ausführungsplanung kann mit dem 1. Bauabschnitt voraussichtlich 2022 begonnen werden. Parallel läuft derzeit die Planung für ein Green Economy Gründerzentrum.

Hintergrund „LUNE DELTA“
2010 konnte Bremerhaven sein Stadtgebiet um fast ein Fünftel (15 km²) durch Gebietsübertragung von Niedersachsen vergrößern. Der Großteil wurde als ökologische Ausgleichsfläche für den Bau des Containerterminals CT 4a ausgewiesen. Ein Teilbereich war für die gewerbliche Nutzung vorgesehen. Die BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven legt nun Planungen vor, wie dieses 150 ha große Gebiet im Einklang mit dem benachbarten Naturschutzgebiet nachhaltig entwickelt und genutzt werden kann.