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Ausstellung: 20. November 2021 – 13. Januar 2022
Eröffnung: 19. November 2021, 18.30 Uhr, Information erfolgt über den Newsletter
Ort: Aedes Architekturforum, Christinenstr. 18–19, 10119 Berlin
Öffnungszeiten: Di–Fr 11–18.30 Uhr, So–Mo 13–17 Uhr und Sa, 20. November 2021, 13–17 Uhr

Raum beeinflusst uns und wir beeinflussen Raum. Innerhalb des unendlichen Möglichkeitsraums
der Architektur sind PPAG architects auf der permanenten Suche nach Relevanz und
gesellschaftlichem Nutzen, am Aufspüren des baukulturellen Ausdrucks der jeweiligen
Gesellschaft, des „notwendigen Neuen“ in all seiner Komplexität. Die Ausstellung ist ein Plädoyer
für eine unvoreingenommene, mutige Sichtweise auf Architektur und Städtebau. Eine Sichtweise,
die Entwicklung als Notwendigkeit sieht, selbst wenn sie auf den ersten Blick überrascht und
irritiert.

Gerade angesichts der gegenwärtigen globalen Herausforderungen braucht es Mut zu alternativen
Wegen. Die Arbeit des Büros fußt auf dem Vertrauen in die kollektive Planungsfähigkeit; darauf, dass durch tiefe Beschäftigung und Weiterdenken Lösungen für eine gute Zukunft für uns alle
gefunden werden können.

Die Vielfalt des Möglichkeitsraums wird von PPAG in der Ausstellung im Aedes
Architekturforum auf besondere Weise dargestellt. Der Galerieraum selbst wird zum
Möglichkeitsraum, in dem PPAG das Spektrum des Machbaren anhand einer Vielzahl von
Projekten ergründen. Es werden Pläne, Modelle, Filme und 1:1-Objekte gezeigt. Man sieht
Projekte, die an Grenzen gehen und ihre Sphäre ausschöpfen, unabhängig von Typologie,
Maßstab, Alter, Preisklasse oder Realisierungshorizont – in Ecuador, Nordmazedonien,
Norwegen, Jakutsk, Wien oder Berlin.

Die Ausstellung soll dazu beitragen, den kollektiven architektonischen Möglichkeitsraum von
Architekt*innen und Nicht-Architekt*innen zu weiten. PPAG möchten nicht nur das
Fachpublikum, sondern explizit auch die breite Öffentlichkeit zur Auseinandersetzung mit
aktuellen Fragen animieren. Dabei zeigen PPAG, wohin sich unser Lebensraum entwickeln
könnte und kann – in eine Zukunft, die trotz der gegenwärtigen Herausforderungen ein besseres
Leben für alle bringt.

Es ist bereits die zweite Ausstellung des Büros bei Aedes. Unter dem Titel Willst du wirklich
wohnen wie deine Mutter thematisierten PPAG 2017/18 den zeitgenössischen Wohnungsbau,
eine zentrale Aufgabe der wachsenden Stadt. Diesmal nähern sie sich einer weiteren
Herausforderung unserer Zeit: dem Anspruch an Qualität, Schönheit und Differenziertheit in
einer globalisierten, marktwirtschaftlich bestimmten und genormten Welt. Ihre These: „eine
Gesellschaft kann und muss sich gute Architektur immer leisten. Ohne Kompromisse.
Hochwertige Architektur ist nichts anderes als gebaute Wertschätzung, die von der Gesellschaft
positiv zurückkommt.“

Die Herangehensweise von PPAG architects ist prototypisch, ein erfinderisches Entwerfen aus der
Vorstellung heraus, wie sich zukünftiges Leben in der Architektur abspielen wird. Es geht darum,
gegen das Gewohnte ein sich abzeichnendes „notwendiges Neues“ zu setzen, in dem besser gelebt
werden kann. Zu diesem Thema sagen die Bürogründer*innen Anna Popelka und Georg
Poduschka: „Nach fast zwei Jahren Pandemie sind wir als Gesellschaft so geübt im „Anders“ wie
noch nie.“ PPAG verstehen Architektur als eine interdisziplinäre Auseinandersetzung, bei der
verschiedenste Inhalte, Bedingungen und Disziplinen zusammengeführt und materialisiert
werden. Die Architektur durchdringt alle Lebensbereiche und beeinflusst unser tägliches Tun.
PPAG möchten zeigen, was die gebaute Umwelt sein kann, wenn man als Architekt*in das
denkbar Mögliche tatsächlich umsetzt und in die Alltagsrealität einfließen lässt.

Ausstellung
Anhand von 40 ausgewählten, sowohl realisierten wie auch unrealisierten, Projekten des Büros
wird die Thematik – fern einer Werkschau – beleuchtet. Zwischen dem, was möglich ist und dem,
was möglich wäre, zeigen PPAG im Innenraum als auch im Hof, wie Architektur wirkt, welche
Atmosphären sie entfalten kann. Eine Komposition von Modellen, die vom Maßstab 1:1 bis 1:1000
reichen, wird durch eine raumgreifende Anordnung von Zeichnungen und Fotos ergänzt.
Verschiedene 1:1-Anordnungen aus aktuellen Projekten führen vor, was gute Zusammenarbeit
mit gutem Handwerk erreichen kann.

Projekte (Auswahl)
Die Volks- und Berufsschule in der Längenfeldgasse ist ein Neubau im dicht verbauten
gründerzeitlichen Wien. In aller Konsequenz mit sechs Stockwerken und einem Freiraum, der
sich in Kaskaden von Terrassen auf dem Gebäude entwickelt. Die Raumstruktur orientiert sich an
den Bedürfnissen der zeitgemäßen Pädagogik, in der nicht der instruktive Unterricht, sondern die
Projektarbeit und das freie Lernen im Vordergrund stehen.
Urban Living beschreibt einen Prototyp für eine dichte, soziale „Stadt in der Stadt“. PPAG
entwickelten anhand eines konkreten Grundstücks in Berlin-Neukölln ein Gebäude als Stadtteil
mit Wohnen und gemischter Nutzung. Im Bauch des tiefen Hauses ist eine Sporthalle, ein
Tanzsaal und Platz für lokale Produktion. Es ist ein Gebäude für eine neue Form städtischen
Zusammenlebens. Den Wohnungen sind flexible Räume zugeordnet, die in einzelnen
Lebenssituationen temporär angeschlossen werden können und somit eine adjustierbare
Wohnmöglichkeit für den Querschnitt der Bevölkerung bieten.
Das Wirtshaus und Haubenrestaurant Steirereck am Pogusch in den österreichischen Alpen
vereint Bodenständigkeit, Haute Cuisine, Hightech-Arbeitsvorgänge, nachhaltige Landwirtschaft
und Luxushotellerie in einer Struktur. Die überregional bekannte Gastwirtschaft wird großräumig
aber weithin unsichtbar erweitert. PPAG haben zudem zahlreiche Details wie organomorphe
Türgriffe, 3D-gedruckte Waschbecken und raumwirksame Holzlamellenvorhänge entworfen, die
dem Projekt die Dimension einer Art hochmodernen Gesamtkunstwerkes verleihen – und die
Besucher*innen in eine ungewohnte Bergwelt entführen.

Das Büro
Anna Popelka und Georg Poduschka betreiben zusammen mit ihrem Team das Büro PPAG
architects (Wien/Berlin). Seit der Gründung 1995 arbeiten sie kontinuierlich im Feld der
Forschung und Entwicklung von Architektur im weitesten Sinn, mit dem Anspruch, Innovation
auch zu realisieren. Von Möbelbau bis Städtebau werden die jeweiligen Erkenntnisse von einem
zum anderen Projekt übertragen und weiterentwickelt.
Obwohl bewusst das gesamte Feld der Architektur bearbeitet wird, haben sich in den letzten
Jahren Schwerpunkte im Wohn- und Bildungsbau ergeben, wie zum Beispiel der Wohnhügel
Europan 6 und der Bildungscampus Sonnwendviertel in Wien, die Slim City in der Seestadt
Aspern (Wien) oder die Sekundarschule in Sauland (Norwegen), aber auch spezielle Projekte wie
das Büro- und Geschäftshaus Pah-Cej-Kah in Deutsch-Wagram (Österreich) oder das Restaurant
Steirereck in Wien. Zuletzt wurden in Berlin ein Wohn- und Bürohaus in der Lützowstraße und in Wien das Quartiershaus OPEN UP! sowie die Volks- und Berufsschule Längenfeldgasse fertig
gestellt. In Berlin bauen PPAG derzeit unter anderem ein Schulgebäude für eine integrierte
Sekundarschule und ein Gymnasium in der Allee der Kosmonauten und ein kleines feines
Wohnensemble am Nordbahnhof.

Das Büro erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter den Preis der
Stadt Wien für Architektur, den Adolf-Loos-Staatspreis für Design, den Hans-Hollein-Kunstpreis
für Architektur und die mehrmalige Nominierung für den Mies van der Rohe Award der
Europäischen Union.