SINN-Expertentalk: Mobilitätskonzepte

„Vernetzte Mobilitätskonzepte sind gefragt“

Mobilität heißt längst nicht mehr nur Autos, Bahnen und Fußgänger. Mobilität muss zukunftsfähig, ökologisch und vor allem vernetzt sein. Darin waren sich die Verkehrs- und Immobilienexperten beim ersten „SINN-Experten-Talk Immobilien powerd by FuP Kommunikation“ einig.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Menschen häufiger zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Was heißt das für Mobilitätskonzepte in einem gemischten Quartier? Verschwinden die Autos aus den Straßen? Bestimmen Radfahrer künftig das Bild in den Städten? Brauchen wir ein neues Verkehrskonzept?

Ja, sagt Prof. Dr.-Ing. Jörg von Mörner, emeritierter Professor der FH Erfurt für Verkehrsplanung und -steuerung. Solche Konzepte seien längst überfällig, Corona habe dies noch deutlicher gemacht. Aber das Auto werde aus der Stadt nicht verschwinden. Das Lyoner Quartier sei hierfür ein gutes Beispiel. Nach wie vor gäbe es morgens und abends lange Staus von Berufspendlern. Die Straßenränder seien zugeparkt, während gleichzeitig viele Tiefgaragen nur wenig ausgelastet seien. Inzwischen komme der Verkehr von immer mehr Menschen hinzu, die im Quartier wohnten. „Damit sich die Lebensqualität im Lyoner Quartier mit seiner Mischung aus Arbeiten und Wohnen verbesert, brauchen wir dort mehr Platz für die Menschen“, so von Mörner.

Der SINN-Vorsitzende Dr. David Roitman sieht das genauso. Und er macht auf die Konflikte zwischen Autos, Fahrrädern und Fußgängern aufmerksam. „Ich wünsche mir, dass die Bedürfnisse der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer in der Stadtentwicklung besser aufeinander abgestimmt, also miteinander vernetzt werden“, so Dr. Roitman.

Eine weitere Schwierigkeit sieht Roitman darin, dass die Verkehrsplanung zu lange dauere. Prof. Mörner ergänzt: „Manchmal genügt es, Verkehrsstrukturen ein wenig zu verändern. Es muss nicht gleich alles neu gebaut werden.“

Für Frank Nagel, Geschäftsführer von Hartmann Nagel Art & Consulting und Experte für den öffentlichen Personennahverkehr, spielt die Qualität des Quartiers eine wichtige Rolle. Die gute Anbindung zum Flughafen sowie die Nähe zu Main und Stadtwald seien wichtige Standortfaktoren des Lyoner Quartiers. „Es hat eine Menge Potenzial, allerdings ist das noch nicht allen Köpfen angekommen“, erklärt Nagel.

Das Lyoner Quartier in seiner Struktur, mit Wohnungen und Büros, bietet nach Einschätzung der Experten ein geeignetes Experimentierfeld für neue und vor allem flexible Verkehrskonzepte. Das Auto werde darin auch weiterhin eine wichtige, nicht aber die vorherrschende Rolle spielen. Konzepte dazu hat die Standortinitiative in den vergangenen Jahren bereits vorgelegt. Ein Konzept für die Freiflächengestaltung wird derzeit mit den städtischen Ämtern abgestimmt und soll nach der Sommerpause veröffentlicht werden. Darin heißt es unter anderem: Vorfahrt für Fußgänger und Radfahrer.

Der SINN-Experten-Talk Immobilien powered by FuP Kommunikation ist eine neue Veranstaltungsreihe der Standort-Initiative Neues Niederrad. Es geht um Themen wie den Büro- und Wohnungsmarkt, Verkehr im Quartier, Sanierung und Modernisierung, Energieoptimierung, Büro, Freiflächengestaltung, aber auch um Themen wie Personalgewinnung, Mieterbindung und Einzelhandel. Die Veranstaltungen bringen Akteure der Wirtschaft, der Politik, Verwaltung und gesellschaftlich wichtige Gruppen zusammen. Die derzeit virtuelle Veranstaltung soll künftig auch real stattfinden, wie frühere Veranstaltungen im Quartier.